Heilfasten nach Buchinger – meine Erfahrung

Warum Heilfasten?

Heute berichte ich euch von einer sehr interessanten Erfahrung und Zeit die ich die letzen Tage erleben konnte, durfte und musste.^^ Ich habe nach langem Überlegen beschlossen, meinem Körper eine kleine Auszeit zu gönnen. Die letzten Wochen waren sehr „nahrungsintensiv“ und alles andere als gesund und ausgewogen. Auch mit diversen Wehwehchen, hab ich in letzter Zeit immer wieder zu kämpfen gehabt und wollte endlich alle Medikamente und Antibiotika aus meinem Körper raus haben. Ich wollte meinem Darm und auch meinem restlichen Körper wieder einmal Erholung gönnen und habe darum beschlossen, mich das erste Mal auf Heilfasten einzulassen. Nach kurzer Recherche wurde ich direkt fündig und habe die die für mich passende Methode entdeckt, das Heilfasten nach Buchinger.

Heilfasten nach Buchinger – was ist das überhaupt?

Beim Heilfasten geht es primär nicht um Gewichtsverlust, sondern um die Steigerung der Selbstheilungskräfte des Körpers, der Regulierung der Darmflora und der Regeneration des Körpers. Laut Buchinger ist eine Energieaufnahme von 250 kcal pro Tag ratsam. Diese dürfen in Form von Säften und klarer Gemüsesuppe eingenommen werden. Zudem wird empfohlen vor der Kur den Darm zu reinigen, entweder mittels Einlauf oder durch die Zuhilfenahme von Abführmitteln wie Glaubersalz, auch weitere Einläufe während der Kur werden positiv hervorgehoben. Die Entleerung des Darms hat den Vorteil, dass man leichter in den Fasten-Zustand eintauchen kann und das Hungergefühl nicht so leicht auftaucht. Zudem sollen Kopfschmerzen und Müdigkeit damit ausbleiben. In der Fastenzeit sollte sehr viel Wasser und ungesüßter Tee getrunken werden. Auf Nikotin, Kaffee und Alkohol, sowie jegliche feste Nahrung wird gänzlich verzichtet.

Was passiert beim Fasten im Körper?

Wenn der Körper aufgrund einer anhaltenden Fastenperiode, keine Energie aus dem Verdauungstrakt aufnehmen kann, beginnt er die eingelagerten Reserven zu verbrennen. Diese Energie gewinnt er dann hauptsächlich aus dem Fettgewebe, aber auch durch den Abbau körpereigenen Proteinen, wie z.B. der Muskelmasse. Anders gesagt, der gesamte Stoffwechsel stellt sich von der Energiegewinnung aus Kohlehydraten (z.B. Glucose) auf die Verwertung von Fettsäuren und Ketonen um. Diese Umstellung führt zu einer erhöhten Lipolyse (Fettabbau) und Ketogenese (Synthese der Ketonkörper).

Studien haben ergeben, dass der Verdauungstrakt seine Struktur verändern kann, wenn über länger Zeit keine Nährstoffe von außen zugeführt werden. Es kann dann zu einer reversiblen Atrophie der Mikrovilli in der Epithelschicht der Dünndarmschleimhaut sowie zur Veränderung des Mikrobioms kommen. Diese Veränderungen im Darm Mikrobiom können unsere Gesundheit und unser Immunsystem beeinflussen. Zudem wurde in einer Studie eine langfristige Senkung des Blutdrucks und eine Steigerung des emotionalen und physischen Wohlbefindens, durch längere Fastenzeiten nachgewiesen. Auch nach der wiederaufgenommen Nahrungszufuhr nach dem Fasten, zeigten diese Werte deutliche Verbesserungen im Vergleich zu den Werten vor dem Fasten auf.

Ich könnte jetzt noch ewig weiter schreiben und alle möglichen Veränderungen im Körper aufzählen, aber ich denke das würde den Rahme des Beitrags sprengen. 😉

Meine Erfahrung

Wir waren eine Gruppe von vier Personen, die miteinander diese Heilfastenwoche durchgezogen haben. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich vermutlich alleine nicht so lange durchgehalten hätte. Dieser Gruppenzwang war in diesem Fall sehr hilfreich, da man nicht als erster aufgeben will! Ich kann euch nur ans Herz legen, es zumindest zu zweit durch zu ziehen, das erleichtert das ganze Unterfangen um einiges.

TAG 1 (Montag)

Ich habe am Montag Mittag noch ein gut bekömmliches Mahl zu mir genommen und dann am Nachmittag mit dem Fasten begonnen, indem ich meinen Darm mit Glaubersalz (31 g in 500 ml lauwarmen Wasser) gereinigt habe. Die Reaktion meines Körpers lies deutlich länger auf sich warten als gedacht. Laut Internet soll die Wirkung nach 30-90 Minuten eintreten (bei meinem besten Freund ging´s mit 30 Minuten auch sehr schnell). Mein Körper lies sich allerdings fast 2,5 Stunden Zeit, bis eine Reaktion zu spüren war. Dann ging´s allerdings sehr rasch und nach knapp 4 Stunden war der ganze Spuk auch schon wieder vorbei.

Durch die Darmreinigung und das letzte Essen Mittag, verspürte ich am Abend auch absolut keinen Hunger oder auch nur ein leichtes Bedürfnis nach Nahrung.

Drei von uns haben die Kur mit Glaubersalz gestartet, die vierte Person nicht. Hier kann ich anmerken, dass wir deutliche Unterschiede in der physischen Verfassung an Tag 2 gemerkt haben, da diese eine Person sehr mit Kopfschmerzen und Unwohlsein zu kämpfen hatte.
Daher lege ich euch nahe: entlehrt euren Darm vor dem Fasten!! Es wird nicht umsonst empfohlen!!

TAG 2 (Dienstag)

Am Vormittag hab ich mir gleich einen frisch gepressten Saft gegönnt. Hierfür hab ich eine Staude Stangensellerie, eine Karotte und ein daumengroßes Stück Ingwer entsaftet und ca. 2 cl Zitronensaft beigemischt. Der Saft war wirklich köstlich und hat mir fürs erste auch komplett gereicht. Über den Tag verteilt hab ich dann mehrere Liter Tee getrunken (ich hab mir hier einen Basen-Fasten-Tee von Sonnentor gekauft). Am Abend gab´s dann eine große Schüssel Gemüsebrühe (hier hab ich die zuckerfreie Suppenwürze von Hildegard von Bingen verwendet. Man soll zwar frisches Gemüse und keine fertige Suppenwürze nehmen, da man das gekochte Gemüse allerdings nicht essen darf, habe ich mich dennoch dagegen entschieden, weil ich es auf keinen Fall wegwerfen wollte.)

Laune/Motivation 7/10
Energie 9/10
Schlaf Sehr gut
Körperliches Wohlbefinden 9/10
Hungergefühl 0/10
Lust auf Essen 10/10

TAG 3 (Mittwoch)

60h ohne feste Nahrung sind nun um. Ich muss sagen ich bin etwas überrascht, da sich noch nicht im Entferntesten ein Hungergefühl breit gemacht hat. Mein Magen scheint vollkommen zufrieden zu sein. In meinem Kopf sieht das allerdings komplett anders aus! ^^ Ich denke durchgehend nur an Essen und möchte am liebsten alles verspeisen was mir unter die Augen und die Nase kommt. Heute hab ich begonnen an allem Essbaren zu schnüffeln und ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie gut das alles duftet. Aber wir bleiben standhaft und halten weiter durch!
Körperlich fühle ich mich heute, bis auf leichte Kopfschmerzen am Abend, auch ausgezeichnet. Wir waren am Abend noch unterwegs und unter Tags an der Uni. Produktiv würde ich mal behaupten. 😉 Morgens gab´s natürlich wieder frisch gepressten Saft und abends eine Schüssel Suppe.

Laune/Motivation 7/10
Energie 9/10
Schlaf Sehr gut
Körperliches Wohlbefinden 9/10
Hungergefühl 0/10
Lust auf Essen 10/10

TAG 4 (Donnerstag)

Heute hab ich den Tag natürlich wieder mit einem frischen Saft gestartet und das Inger Stück etwas unterschätzt ^^ Allgemein bin ich heute super gelaunt, freue mich mega auf das Bouldern am Abend und hab weniger Lust auf Essen und verschwende weniger Gedanken daran als gestern. Dafür merke ich heute zum ersten Mal meinen Magen. Dieser hat um die Mittagszeit beschlossen, dass er jetzt doch mal gerne etwas zu Essen haben möchte, also ich verspüre heute zum ersten Mal ein leichtes Hungergefühl, welches allerdings nach 2-3 Stunden wieder nachgelassen hat und nicht erneut auftrat.

Nachtrag zum Abend: beim Bouldern haben wir den Nahrungsentzug richtig stark gemerkt. Wir hatten alle deutlich weniger Kraft und auch die Ausdauer lies deutlich zu wünschen über. Mein Fazit: Sport während dem Heilfasten ist nichts für mich. Mein bester Freund hatte allerdings die gesamte Woche keine Probleme damit und konnte sein normales Programm weiter durchziehen –> Fitnessstudio, Laufen, Bouldern, Wander…

Laune/Motivation 9/10
Energie 8/10
Schlaf Sehr gut
Körperliches Wohlbefinden 9/10
Hungergefühl 2/10
Lust auf Essen 8/10

TAG 5 (Freitag)

Heute wird ein spannender Tag, ich werde ab 16 Uhr arbeiten (Kellnern) und die Veranstaltung wird vermutlich bis spät in die Nacht dauern. Ich hoffe ich halte das ganze körperlich durch!
In den Tag bin ich heute wieder mit einem Saft gestartet, diesmal ist zusätzlich noch ein halber Apfel und eine halbe Salatgurke mit in den Entsafter gewandert. 😉 Fazit: der Saft war Hammergeil <3

Nachtrag: Das Arbeiten hab ich überraschend gut überstanden (9,5h nur auf den Beinen) und hab mich weder schwach noch müde gefühlt. Allerdings hab ich die Suppe gegen einen zweiten Saft getauscht, da mir dieser doch gefühlt etwas mehr Energie liefert und geschlafen hab ich danach wie ein Baby.

Laune/Motivation 8/10
Energie 10/10
Schlaf sehr gut
Körperliches Wohlbefinden 9/10
Hungergefühl 0/10
Lust auf Essen 10/10

TAG 6 (Samstag)

Heute ist der offiziell letzte Tag ohne Essen. *jippiijeeehh* Am Morgen gab´s wieder einen super leckeren Gemüsesaft. Ich bin den ganzen Tag schon mega gut gelaunt und die Aussicht auf das Fastenbrechen morgen, stimmt mich noch fröhlicher. Komischerweise verspüre ich heute viel weniger Lust auf Essen und bin im Ganzen viel ausgeglichener und entspannter. Es fällt mir gefühlt von Tag zu Tag leichter nichts zu essen und auch die Gedanken daran auszublenden und abzuschalten. Vermutlich wurde nun die Grenze im Kopf überschritten, die aufgrund des normalen Tagesablaufes immer auf die Nahrungszufuhr wartet und für die Essen einfach zum Alltag gehört und darum fehlt. Hunger verspüre ich nach wie vor überhaupt nicht.

Laune/Motivation 10/10
Energie 10/10
Schlaf sehr gut
Körperliches Wohlbefinden 10/10
Hungergefühl 0/10
Lust auf Essen 5/10

TAG 7 (Sonntag)

Fastenbrechen: Morgens gab´s nochmal Saft und jetzt zu Mittag werden die Äpfel zubereitet <3 meine erste Nahrung sein Montag Mittag. Ich bin richtig stolz auch mich und meinen Körper, dass wir solange durchgehalten haben. Um ganz ehrlich zu sein, dacht ich nicht, dass ich es schaffe und ich war davon überzeugt vorzeitig abrechen zu müssen. Umso mehr freue ich mich jetzt, mit einem absolut geilem Gewissen und mit mega Laune auf diesen kleinen Leckerbissen!!!

Rezept zum Fastenbrechen:

Apfelkompott (3 Portionen)

4            große Äpfel
2            Stangen Zimt
10-20    Nelken
300 ml  Wasser
1 EL       brauner Rum

Mandelblättchen als Topping (opptional)

Zubereitung:

  1. Die Äpfel klein schneiden und mit den restlichen Zutaten in einem Topf aufkochen.
  2. Das Gemisch ca. 30 Minuten köcheln lassen, bis die Apfelstückchen richtig schön weich geworden sind –> evt. mehr Wasser hinzugeben
  3. Die Mandelblättchen in einer beschichteten Pfanne anrösten und über das Kompott streuen.
  4. Genießen!

Fazit des Heilfastens:

Das Heilfasten ist vorbei – wir Essen nun seit zwei Tagen wieder 🙂 Bei allen von uns war es kein Problem wieder zu essen, also jeder hat es sehr gut vertragen, es gab weder Übelkeit, noch andere Beschwerden, die immer wieder zu lesen sind. Wir haben uns auch nicht so strickt an die langsame Kalorien-Steigerung gehalten, wie es immer gepredigt wird. Nach dem Apfelkompott gab´s erstmal Bananenbrot 😉 Ich hab am Abend dann einen Salat und ein kleines Vollkornweckerl gegessen. Am Montag haben wir uns eine große Portion Porridge mit allen möglichen Kernen und Samen gekocht und am Abend verspeiste ich eine leichte Bowl, die anderen jedoch Nudelsalat, Risotto, Pizza, etc. ^^ Jeder hat da sein eigenes System 😛

 

So und nun zu den vermutlich interessantesten Daten des Heilfastens –> Was hat sich gewichtsmäßig und an meinen Maßen verändert?

 

Sonntag vor dem Heilfasten

Sonntag nach dem Heilfasten

Oberarme [cm]

29/30

29/29

Brust 

88

88

Taille 

70

68

Hüfte 

89

87

Po 98

96

Oberschenkel

59/59

58/58

Gewicht [kg]

62,6

60,0

Ich kann das Heilfasten jedem empfehlen, der gerne eine neue Erfahrung in Sachen Dieten und Darmreinigung, -Sanierung und -Regeneration ausprobieren möchte. Es ist eine interessante Sache, zu sehen wie stark unser Geist das Hungergefühl und unser Essverhalten steuert und wie wenig wir eigentlich wirklich essen müssen um uns satt zu fühlen.

Noch eine schöne Woche und wenn ihr Fragen habt, meldet euch einfach jederzeit!

xx


Quellen:

[1] https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/1E4307FAFD57B566BE13193A09037673/S2048679019000338a.pdf/changes_in_human_gut_microbiota_composition_are_linked_to_the_energy_metabolic_switch_during_10_d_of_buchinger_fasting.pdf

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