Palmöl – der Klimakiller unserer Zeit?

Palmöl

Egal wo überall sieht und hört man Palmöl – doch was genau hat es mit diesem Pflanzenöl auf sich, dass der gesamte Globus darüber spricht? Palmöl befindet sich in allen möglichen Produkten unseres Alltags, egal ob Fertiggericht, Margarine, Waschmittel, Kosmetikartikel, Pharmazeutika oder Futtermittel. [1] Laut einer Studie von Greenpeace befindet sich in knapp jedem zweiten Produkt in unseren Supermärkten Palmöl. Um dieses Wunderöl zu gewinnen, wird vor allem im südostasiatischen Raum wie Indonesien, Malaysia und Thailand, aber auch in Südamerika und Afrika eine enorm große Fläche in Beschlag genommen. [2] Es kommt zur Rodung von Regenwald, zur Vertreibung indigener Völker und zur massiven Steigerung des CO2-Ausstoßes, um die gewinnbringenden Ölpalmen anzubauen und das beliebte Öl zu produzieren. Dafür müssen zudem seltene Pflanzenarten und viele bedrohte Tiere ihren Lebensraum räumen.

Was hat es mit dem begehrten Pflanzenöl auf sich?

Immer häufiger sieht man im Supermarkt die Plakette „Palmölfrei“. Immer häufiger wird man auf Social Media mit dem Thema konfrontiert und geshamed, wenn man Produkte mit Palmöl zeigt und konsumiert. Doch warum genau ist Palmöl so schlecht und was ist Palmöl überhaupt? Was hat es mit der zwiegespaltenen Meinung zu diesem Thema auf sich? Warum können sich die Menschen nicht einigen, ob Palmöl generell verteufelt werden sollte oder ob es auch gute bzw. Bio-Palmölplantagen gibt, die der Umwelt und den Tieren keinen Schaden zufügen?

Ich bin dem ganzen auf den Grund gegangen, da ich mir zum Teil selbst nicht mehr ganz sicher war, was nun stimmt und was Sache ist. Ich wollte wissen, ob ich generell auf Palmöl verzichten sollte oder ob es bei Bio-, Fair Trade & vegan zertifizierten Produkten auch Ausnahmen gibt. Eine Möglichkeit die den Regenwald und die damit verbundenen Flora und Fauna nicht schädigt.

Was genau ist Palmöl eigentlich?

Palmöl ist ein orangerotes Pflanzenöl, welches aus der Palmfrucht der Ölpalme, genauer aus deren Fruchtfleisch, gewonnen wird. Es gibt auch das sogenannte Palmkernöl, dieses wird aus den Kernen der Früchte extrahiert und ist etwas fester und farblos. Der große Vorteil dieses Pflanzenöls gegenüber Raps-, Sonnenblumen-, Sojaöl & Co ist sein hoher Ertrag pro Fläche. Bei selber Anbaufläche liefert die Ölpalme etwa 3-4-mal so viel Ertrag wie Raps und 8-mal so viel wie Soja. [3]

Des Weiteren ist es im Vergleich zu den anderen Ölsorten sehr billig in der Produktion und bietet weitere vorteilhafte Eigenschaften. Diese zeichnen sich unter anderem durch sein Lipidprofil (Verhältnis der gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren), den neutralen Geschmack, den hohen Rauchpunkt (= Punkt, an dem sich sichtlich Rauch bildet, ist im Vergleich zu anderen Ölen sehr hoch) und die hohe Oxidationsstabilität aus (= Fähigkeit der Oxidation oder einfach dem ranzig werden zu Widerstehen; diese liegt bei Palmöl bei fast 24 h, wohingegen andere Öle nur knapp 2-4 h erreichen). [4]

Warum ist das beliebte Öl so schädlich für unseren Planeten?

Die meisten Umweltschutz-Organisationen beziehen sich bei der Aussage, dass Palmöl so schädlich sei, auf die Unmengen an Wasser, die verbraucht werden und die großen Flächen an Regenwald, die für den Anbau gerodet werden. Zweifelsohne stehen die riesigen Plantagen für Abholzung sowie für den damit verbundenen Rückgang der Artenvielfalt, für CO2– und andere Treibhausgas Emissionen sowie für Tierleid.

ABER würden wir anstelle von Palmöl ein anderes Pflanzenöl verwenden, würden wir viel mehr Anbaufläche benötigen! Im Falle von Soja und Kokos wäre dies Lösung für den Regenwald noch viel fataler. Denn diese beiden Pflanzen wachsen in ökologisch ähnlich sensiblen Regionen und würden deutlich mehr Platz für dieselbe Menge Öl benötigen.

Die eigentliche Frage, die wir uns stellen sollten, lautet demnach: Ist es überhaupt möglich, die weltweit boomende Nachfrage nach dem beliebten Pflanzenöl mit einer Alternative zu befriedigen? Eine Alternative die Fläche und Wasser einspart oder ist Palmöl sogar der beste Kompromiss für unseren übermäßigen Konsum?

Ja oder Nein zu Palmöl und gibt es eine Alternative?

Palmöl zu boykottieren und es als Klimakiller und Umweltteufel abzustempeln, ist nicht die Lösung. Palmöl schadet der Umwelt keine Frage, doch auch andere Pflanzenöle würde bei großflächigen Monokulturen nicht besser abschneiden. Im Gegenteil, verglichen mit anderen Ölsorten schneidet Palmöl aufgrund seines hohen Ertrags noch deutlich besser ab. [5]

Damit will ich keines Falls behaupten, wir sollen von nun an nur noch Palmöl verwenden. Ich will nur veranschaulichen, dass ein 100 %iger Boykott nicht zur erhofften Lösung führen würde. Denn dann würden wir vor anderen Problemen stehen. Wie in der unten dargestellten Abbildung zu erkennen ist, erzielen wir bei gleicher Anbaufläche die 3-fache (Raps), die 4-fache (Kokos, Sonnenblumen) bis hin zur 8-fachen (Soja) Menge an Öl. Der Wasserverbrauch scheint auf den ersten Blick immens hoch zu sein. Wir betrachten im 3. Diagramm allerdings den Wasserverbrauch in Kubikmeter Wasser auf einen Hektar Land. Da wir beim Palmöl jedoch einen so enormen Ertrag an Öl aus einem Hektar Land gewinnen können, relativiert sich der Wasserverbrauch auf das Kilogramm Öl gerechnet wieder massiv.

Das Bild gibt einen Überblick über die verschiedenen Anbau- und Verbrauchsbedingungen der gängigen Ölpflanzen wie Palm-, Kokos-, Sonnenblumen-, Soja- und Rapsöl. Verglichen werden pro Hektar der Ertrag , die Flächennutzung und der Wasserverbrauch sowie der Wasserverbrauch pro Kilogramm Öl.

Fazit und was wir unternehmen können?

Wir sollten generell unseren Konsum hinterfragen und nicht immer und immer wieder einzelnen Inhaltsstoffen die Schuld an unserer derzeitigen Situation geben. Schuld sind alleine wir und unser Konsumverhalten! Wir müssen lernen, nicht immer alles haben zu wollen und auf verarbeitete Produkte nach und nach zu verzichten. Das ist nicht nur klimafreundlich, sondern auch gut für unsere Gesundheit!

Einen weiteren Lichtstreifen am Horizont liefert die derzeitige Forschung mit der Entwicklung von SCOs (single cell oil = Hefe- bzw. Algenöl). Diese zeigen nach neuesten Forschungsergebnissen idente Lipidprofile, was sie ebenso interessant für die Industrie macht. Leider sollen diese Öle in der Herstellung noch sehr teuer und komplex sein, was sie aus wirtschaftlicher Sicht wieder uninteressant macht. Allerdings sollten wir uns fragen, ob dieser Kostenfaktor wirklich ein Hindernis sein sollte, wenn wir dadurch ökologische Vorteile erzielen, die weit über unsere Hoffnungen hinaus gehen. Unter anderem sprechen wir hier von einfacher Kultivierung, Müllvermeidung, lokaler und gezielter Produktion, die genau für den geforderten Markt angepasst werden kann. [4] Wir würden Monokulturen, die Rodung des Regenwaldes, die Ausbeutung der Länder, aus denen momentan der Hauptexport stattfindet, sowie die Ausrottung bedrohter Tier- und Pflanzenarten verhindern.

Quellen:

* Titelbild zur Verfügung gestellt durch: https://pixabay.com/de/photos/palm-%C3%B6l-obst-hintergrund-reif-rot-1464655/

[1]https://www.wwf.at/palmoel/?gclid=Cj0KCQjwzZj2BRDVARIsABs3l9J-Alpmw-2ovlnBsUK22wAB9pboDufg6eOfJz_tHjxL4Bmj8_qA3AEaAqMjEALw_wcB

[2] https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/palmoel

[3]https://wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Leseprobe-Palmoel-WWF-Magazin-3-2016.pdf

[4]Parsons S., Raikova S., Chuck C. J., „The viability and desirability of replacing palm oil“, Nature sustainabilily, 2020

[5]https://www.yumda.de/news/1158321/palmoel-die-alternativen-waeren-noch-schaedlicher.html

[6]https://www.klimatarier.com/at/Blog/show/0-58.Palmoel_Anbau_bitte_nachhaltig.html

 

 

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