There is NO Planet B – Der ökologische Fußabdruck muss sich verändern

WTF

Ich blicke völlig fassungslos auf die Kommentare eines Instagram-Posts von @greenpeace und frage mich, wie konnten wir so lange so erfolgreich überleben. Wie bekloppt ist die Menschheit eigentlich. Mit diesem Post will Greenpeace einmal mehr auf die globale Klimakrise aufmerksam machen und Bewusstsein schaffen, dass unser derzeitiger Fleischkonsum so nicht länger tragbar ist und wir unseren ökologischen Fußabdruck überdenken müssen. Keineswegs deutet hier etwas darauf hin, die Menschheit solle von 0 auf 100 vegan leben. Es ist nur eine Botschaft, die deutlich machen soll „Der derzeitige Fleischkonsum muss reduziert werden!“. Hinzu kommt, dass vegan nicht gleich ökologisch wertvoll bedeutet. Auch eine vegane Ernährung kann der Umwelt schaden.

Es geht alleine um Bewusstseinsbildung und um ein Hinterfragen unserer derzeitigen Situation. Situationen wie die seit Monaten andauernden Busch-Brände in Australien, die im vergangenen Jahr nicht die einzigen großen Brände waren, die immer häufiger werdenden Überschwemmungen, Dürren und Stürme, all das können wir nicht länger ignorieren. Wir müssen endlich aufwachen und kapieren, dass wir aktiv etwas gegen die Erderwärmung unternehmen müssen.

CO2 Fußabdruck

Kein vernünftig denkender Mensch kann ernsthaft der Überzeugung sein, dass Fleischkonsum gut und nützlich für die Umwelt ist. Es ist längst bewiesen, dass die Land- und Forstwirtschaft einen der größten Sektoren der Treibhausgasproduktion weltweit bilden. Gleichzeitig will ich keinesfalls behaupten, dass die beste Lösung ein globaler Veganismus wäre. Ich denke, eine gesunde und bewusste Einstellung zum Thema Ernährung ist viel wichtiger! Der Mensch muss Bewusstsein schaffen und sich darüber klar werden, woher sein Essen kommt. Welchen CO2 Fußabdruck dieses verursacht und inwiefern ein Produkt notwendig ist oder doch ein Luxusgut, welches nur ab und zu konsumiert werden sollte, wie der historische und hochgeschätzte Sonntagsbraten. Aber dessen müssen sich alle bewusst werden, egal ob Omnivor*innen, Vegetarier*innen oder Veganer*innen.

Die unter Omnivor*innen allgemein verhasste Avocado bringt mit einem Durchschnittsgewicht von 249 Gramm[1]  ganze 0,13 kg CO2 auf den Teller und wenn man Kern und Schale abzieht, da diese ja nicht zum Verzehr geeignet sind, sind satte 0,04 kg CO2 noch dazu völlig für die Katz. Vergleicht man im Gegensatz dazu aber die Werte des entstehenden CO2 Footprints bei der gleichen Menge an Geflügel (Huhn: 0,92 kg CO2, Pute: 1,05 kg CO2), Rindfleisch (3,09 kg CO2) oder Schweinefleisch (1,03 kg CO2)[2], lässt sich unschwer erkennen, dass die böse Avocado doch gar nicht so böse ist, wie sie immer dargestellt wird. Zudem kommt für mich noch der wichtigere Aspekt hinzu, dass für eine Avocado Mahlzeit kein Lebewesen sterben musste. Die ökologische Sinnhaftigkeit der Avocado sei allerdings dahingestellt !!

Wasser Fußabdruck

Des Weiteren muss auch gesagt werden, dass die Wassermenge, die während des Wachstums- und Reifeprozesses sowie während der Produktion der Lebensmittel verbraucht wird, keinesfalls unter den Tisch gekehrt werden darf! Das sogenannte virtuelle Wasser. Als virtuelles Wasser wird die gesamte Menge an Wasser bezeichnet, die vom Beginn der Produktion bis hin zum Kauf durch den*die Konsument*in verbraucht wird. Damit sind z. B. Niederschlag, Grundwasser, Oberflächenwasser (z. B. Seen), Wasser zur künstlichen Bewässerung sowie anderweitig verbrauchtes Wasser (Reinigung, Tränkung etc.) gemeint.

Im Durchschnitt werden für 1 kg Rindfleisch 15.490 Liter Wasser verbraucht. Im Gegensatz dazu benötigt man für die Kultivierung der gleichen Menge Avocado „nur“ 1.500 Liter Wasser.  Genussmittel wie die Kakaobohne (27.000 l Wasser) und der Kaffee (21.000 l Wasser)[3] schlagen das Rindfleisch allerdings noch mal um Längen.  An diesem Punkt sollte auch noch mal gut über die Herkunft dieser Produkte nachgedacht werden. Als Hauptexportland für Avocados gilt Mexiko[4]. Wenn man den 4-wöchigen Transportweg per Schiff und die aufwendige ca. 6-tägige Reifung in einer speziell entwickelten Kammer in den Niederlanden betrachtet[6], stellt sich mir die Frage, ob die Omnivor*innen nicht doch richtig liegen, wenn sie die Avocado verteufeln. Aber auch Fleisch-Boykottierer*innen liegen absolut richtig, wenn sie sagen „WIR müssen den Konsum von Fleisch stark reduzieren bzw. komplett einstellen!“. In dem Artikel Wieso? Weshalb? Vegan! schreibe ich über die Zustände, welchen die Tiere in der Fleischproduktion ausgesetzt sind.

© Warenvergleich.de

Der richtige Ansatz

Diese Fakten sollen weder Veganismus noch Fleischkonsum schön reden, aber aufzeigen, dass alle Menschen, auch jene, die sich pflanzlich oder vegetarisch ernähren, auf ihren ökologischen Fußabdruck zu achten haben und Vegetarier*innen/Veganer*innen nicht einfach durch den Verzicht auf Fleisch bzw. tierische Produkte fein raus sind.  Und um wieder auf den Greenpeace Post zurückzukommen, es geht hier nicht um 100 %igen Verzicht. Es geht alleine darum, bewusst zu entscheiden und sich zu fragen, ob man gewisse Dinge wirklich sieben Tage die Woche konsumieren muss, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen, oder ob man sich für das Wohl von Mutter Erde und für die Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländer etwas einschränken kann.

Alles beginnt mit der Erkenntnis

Ich selbst habe viel zu lange, ohne nachzudenken, exotische Früchte verschlungen und täglich mehrere Tassen Kaffee getrunken. Heute weiß ich es besser und kaufe Avocados, Mangos, Ananasse (ich musste jetzt echt googeln, was der Plural von Ananas ist ^^) & Co selber überhaupt nicht mehr. Wenn ich dann einmal essen gehe oder bei meinen Eltern auf Besuch bin, erfreue ich mich daran und kann diese Lebensmittel richtig genießen. Ebenso steht es mit Kaffee, welchen ich zu fast 90 % gegen Tee eingetauscht habe. Man muss keinesfalls zu 100 % auf alles, was einem schmeckt und einen glücklich macht, verzichten. Es geht um bewusste Entscheidungen und um die Reduzierung gewisser „Luxus“-Produkte im Alltag. Darum sich vor Augen zu führen, was die eigene Entscheidung mit unserer Erde bewirkt und ob wir uns nicht doch anders entscheiden sollten, wenn wir doch wissen, wie sehr wir ihr damit schaden.

Der Mensch muss sich darüber klar werden, was sein täglicher Fleischkonsum für diesen Planeten bedeutet und welche negativen Folgen dieser mit sich bringt. Ein fleischloser Tag pro Woche würde schon ausreichen, um eine Wassermenge einzusparen, mit welcher ein*eine Durchschnittsbürger*in 1,5 Jahre lang duschen könnte.[7]  Zudem würden durch einen fleischlosen Tag die Woche auf alle Bewohner*innen Österreichs gerechnet, in einem Jahr 14 Millionen Tiere weniger ihr Leben lassen müssen.

Die Dosis macht das Gift

Mit meiner nächsten Aussage bin ich vermutlich eine Ausnahme unter den Veganer*innen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Menge die Lösung allen Übels ist. Ein Steak wird die Welt nicht zerstören, solange man es in Maßen konsumiert. Eine Flugreise, die gut durchdacht und nicht 5-mal im Jahr unternommen wird, wird den Planeten nicht umbringt. Die Shopping-Tour, die einmal im Jahr unternommen wird, wird nicht das Ende der Menschheit bedeuten.

Aber solange ein Großteil der Bevölkerung wie Krösus lebt, muss der andere Teil auf extreme Weise reagieren, um einen Wandel zu erzielen. Und solange kein Umdenken beginnt, sehe ich es als meine Pflicht, als Bewohnerin dieses wunderbaren Planeten immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass wir alle etwas beitragen müssen! Wir müssen damit aufhören, andere zu verteufeln, für alles, was sie nicht machen und anfangen hervorzuheben, was sie unternehmen, um unsere Erde in eine bessere Zukunft zu führen. Wir müssen zusammenhelfen und endlich kapieren, dass jeder und jede Einzelne von uns etwas verändern muss und es nicht länger reicht, darauf zu warten, dass die Politiker*innen und Staatsoberhäupter dieses Planeten in die Gänge kommen.

Alleine WIR entscheiden über die Zukunft unserer Erde.

Quellen

[1] http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/rueckst_gew_obst_gem%C3%BCde_pdf.pdf?__blob=publicationFile

[2] https://www.klimatarier.com/de/CO2_Rechner

[3] https://www.warenvergleich.de/wp-content/uploads/2018/04/pi-04-2018-wasserverbrauch-lebensmittel.pdf

[4] http://www.factfish.com/de/statistik/avocados%2C%20produktionsmenge

[5] https://www.wu.ac.at/fileadmin/wu/d/i/nachhaltigkeit/06_Third_Mission/WAYS_2_SUSTAIN/Themenhefte/Virtueller_Wasserverbrauch.pdf

[6] https://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend

[7] https://www.presseportal.de/pm/130544/3934035

[8] https://science.orf.at/stories/2988476/

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